56 Karten stellen Verschiedenheit anschaulich dar
Seit heute ist der aktualisierte Deutschlandatlas als interaktive Website unter
www.deutschlandatlas.bund.de
abrufbar. Insgesamt 56 Deutschland-Karten bilden die wichtigsten Fakten
über das Leben in Deutschland ab und erlauben detaillierte Vergleiche
zwischen den Regionen. Die Karten illustrieren räumliche Strukturen und
regionale Ungleichgewichte in wichtigen Lebensbereichen der Menschen vor
der Corona-Pandemie, von Infrastruktur und Demografie bis hin zu
Gesundheitsversorgung und Sicherheit.
Der aktualisierte Deutschlandatlas zeigt für
verschiedene Bereiche wiederkehrende Muster: Ost-West, Nord-Süd,
Stadt-Land, Zentrum-Peripherie. Die Muster überlagern sich, aber es gibt
immer wieder Ausnahmen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo die
Hauptstadtregion die Entwicklung dominiert, hat Deutschland viele Groß-
und Mittel- und Kleinstädte, die Strahlkraft für das Umland haben und
Motoren der regionalen Entwicklung sind.
Die weiteren Kernbefunde des Deutschlandatlas‘ finden Sie in der Anlage zu dieser Pressemitteilung.
Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner:
„Deutschland ist Vielfalt - jede Region ist anders, hat ihre
Besonderheiten, auch Herausforderungen. Wichtig ist mir aber: Diese
regionalen Unterschiede dürfen nicht zu Nachteilen werden für die, die
dort leben. Überall müssen Grundvoraussetzungen erfüllt sein, damit
Bürger frei entscheiden können, wo und wie sie sich niederlassen. Es
geht um wohnortnahe Kitas, Schulen und Ärzte, um gute Verkehrsanbindung
und Nahversorgung, schnelles Internet, um Arbeitsplätze. Das gilt gerade
für die ländlichen Regionen.
Der interaktive Deutschlandatlas gibt hier einen wichtigen Überblick.
Und er zeigt, wo welcher Handlungsbedarf besteht. Das Wissen um die
Gegebenheiten vor Ort ermöglicht es uns, passgenau und nach Bedarf zu
fördern. Das ist entscheidend, um gleichwertige Lebensverhältnisse
überall in Deutschland zu erreichen. Und wo es sich gut leben lässt, hat
auch die Wirtschaft einen guten Standort. Damit schaffen wir gleichsam
eine Aufwärtsspirale.
Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer:
„Der interaktive Deutschlandatlas macht sichtbar, wie es um die
Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland bestellt ist. Er
ist damit wichtige Informationsgrundlage, um die Attraktivität von
Regionen gezielt zu fördern. Ich möchte, dass die Menschen auf Dauer
dort leben können, wo sie leben wollen. Das erreichen wir, wenn die
Infrastruktur stimmt und sich vor Ort Zukunftsperspektiven bieten. Nur
wer sich wohl fühlt und gute Lebenschancen für sich und die Familie
sieht, bleibt auf Dauer in der Region.“
Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey: „Mit
dem interaktiven Deutschland-atlas kann sich jede und jeder – egal ob
Bürgermeisterin, Schülersprecherin oder Rentner – ohne lange Suche über
Zahlen und Statistiken konkret vor Ort informieren. Auch wenn es ein
längerer Prozess bis zum Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse sein
wird, haben wir schon einiges erreicht: etwa die Errichtung der
Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, die aktuell ihre Arbeit
aufnimmt und tatkräftige Unterstützung für Engagierte anbieten wird.
Auch die weitere finanzielle Unterstützung des Bundes für eine gute
Kinderbetreuung auch über das Jahr 2022 hinaus wird zu mehr
gleichwertigen Lebensverhältnissen beitragen.“
Das
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), das
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
haben – in ihrer Funktion als Vorsitzende der Kommission „Gleichwertige
Lebensverhältnisse“ – den Deutschlandatlas gemeinsam konzipiert. Er
wurde erarbeitet und weiterentwickelt vom Statistischen Bundesamt, dem
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (
BBSR), dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) und dem Thünen-Institut für Ländliche Räume*.
Der Deutschlandatlas schafft eine amtliche Datenbasis für die Politik
für gleichwertige Lebensverhältnisse. Die Karten werden zweimal im Jahr
aktualisiert. Der Deutschlandatlas macht Veränderungen in Deutschland
sichtbar und zeigt auf, in welchen Bereichen und Regionen noch
Handlungsbedarf zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse besteht.
Die Bundesregierung hat den Deutschlandatlas erstmals im Juli 2019
vorgestellt.
Anlage
Kernbefunde des Deutschlandatlas‘
Wo wir leben, wer wir sind
Die Großstädte und die Umlandkommunen, aber auch die meisten Städte
mittlerer Größe, verzeichnen in den letzten Jahren ein
Bevölkerungswachstum, viele von ihnen stark. Auch wenn sich hier oft ein
Stadt-Land-Gefälle zeigt, gibt es zahlreiche ländliche Regionen, die
ebenfalls Wachstum verzeichnen. Dazu gehören Regionen in weiten Teilen
Bayerns und Baden-Württembergs, in Süd- und Mittelhessen, im westlichen
Niedersachsen (Emsland, Oldenburger Land) sowie an der ostdeutschen
Ostseeküste. Das Durchschnittsalter in den wachsenden ländlichen Räumen
ist niedriger als in denen mit Abwanderung und Bevölkerungsrückgang,
beispielsweise vielen ländlichen Regionen Ostdeutschlands,
Südniedersachsen, der Westpfalz und Oberfrankens.
Darüber hinaus zeigt der Deutschlandatlas in diesem Bereich auch die
regionalen Daten zu den Themen: Flächennutzung, Binnenwanderung, Zu- und
Abwanderung, Steuereinnahmekraft der Gemeinden, Anteil verschiedener
Altersgruppen an der Bevölkerung.
Wie wir wohnen, arbeiten und lernen
Die Herausforderungen in den einzelnen Regionen sind unterschiedlich
und positive Entwicklungen können auch negative Begleiterscheinungen
haben. In strukturschwachen Regionen mit sinkender Bevölkerung werden
die Zusammenhänge vieler Faktoren deutlich:
Wenn die Bevölkerung abnimmt, verringern sich das Arbeitskräfteangebot und die Kaufkraft. Läden, Schulen, Fachärzte und der
ÖPNV
haben weniger Kunden oder Nutzerinnen, die Kosten steigen oder das
Angebot wird weiter ausgedünnt und Gebäude stehen leer. Zudem können
durch sinkende Steuereinnahmen die Handlungsspielräume finanzschwacher
Kommunen weiter eingeschränkt werden, was wiederum den negativen Trend
verstärkt. Im Nordosten und im Westen Deutschlands sowie in den
kreisfreien Großstädten beziehen überdurchschnittlich viele Einwohner
soziale Mindestsicherungsleistungen. Auch das belastet die kommunalen
Haushalte.
Umgekehrt haben Regionen mit stark steigender Bevölkerung Probleme
bei der Schaffung von Wohnraum, z. B. in den Groß- und
Universitätsstädten. Sie müssen gerade in die Infrastrukturen massiv
investieren, die andernorts nicht ausgelastet sind. Mieten und Preise
für Bauland und Wohnimmobilien steigen weiter, wenngleich sich der
Anstieg bei den Angebotsmieten zuletzt etwas verlangsamt hat. Während
der Zuzug von jungen Menschen in die Ballungsräume anhält, weichen
Familien verstärkt ins Umland aus, weil sie hierfür weniger Geld mehr
Wohnfläche bekommen.
Das Bevölkerungswachstum ländlicher Räume spiegelt sich auch in ihrer
wirtschaftlichen Entwicklung wider: Es gibt viele wirtschaftlich starke
ländliche Räume in Deutschland – beispielsweise in vielen Regionen im
Süden und in der Mitte Deutschlands. Die Menschen, die dort leben,
verfügen über eine überdurchschnittlich hohe Kaufkraft, das
einwohnerbezogene Bruttoinlandsprodukt der Landkreise ist hoch und die
soziale Infrastruktur meist gut ausgeprägt. Diese Regionen ziehen viele
hochqualifizierte Beschäftigte an. Die Arbeitslosigkeit liegt weit unter
dem Durchschnitt, der Anteil der SGB II-Haushalte ist gering. Diese
wirtschaftlich starken Landkreise abseits der Zentren stützen ihre
wirtschaftliche Stärke auf den Mittelstand. Viele „Hidden Champions“,
also vergleichsweise unbekannte Marktführer, sowie Zulieferindustrien
haben hier ihren Sitz und tragen zu einer guten wirtschaftlichen
Entwicklung und zum Wohlstand in diesen Regionen bei.
Für Eltern werden Angebote für eine gute Kinderbetreuung immer
wichtiger. In Deutschland wurden 2018 mit rund 789.000 Kinder unter drei
Jahren etwa ein Drittel in privaten oder öffentlichen Einrichtungen
betreut. Regional betrachtet werden in den ostdeutschen Bundesländern
51,5 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten betreut,
in westdeutschen Bundesländern 29,4 Prozent. Bei über zwei Millionen
Kinder über drei Jahren waren mehr als 90 Prozent von ihnen bis zum
Eintritt in die Schule in einer Kinderbetreuung. Die regionalen
Unterschiede sind bei den älteren Kindern geringer.
Darüber hinaus zeigt der Deutschlandatlas u. a. auch die regionalen
Daten zu den Themen: Baulandpreise für Eigenheime, Wohnungsleerstand,
Berufsqualifikation der Beschäftigten, Erwerbstätigkeit, Arbeitsvolumen,
geringfügige Beschäftigung, Erreichbarkeit von Schulen, Anteil von
Kindern in Bedarfsgemeinschaften.
Wie uns vernetzen und uns bewegen
Bei der Breitbandversorgung zeigen sich Unterschiede insbesondere
zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Während der Anteil der mit
mindestens 50 Mbit/s versorgten Haushalte in den Metropolen
Deutschlands weit über 95 Prozent liegt, realisieren viele ländliche,
meist peripher gelegene Regionen noch immer Werte von unter 60 Prozent.
Der Großteil der Regionen mit einer weit unterdurchschnittlichen
Versorgung liegt in stärker ländlich geprägten Kreisen von
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Nordhessen.
Bei der mobilen Breitbandverfügbarkeit mit LTE ab 2 Mbit/s zeigt
sich, dass die Hälfte der Gemeinden eine Flächenabdeckung mit LTE von
über 97 Prozent besitzt. Die LTE-Verfügbarkeit insgesamt und im
Besonderen in der Fläche ist weitestgehend gegeben.
Die Zahl der Pendelnden in Deutschland ist von 14,9 Millionen im
Jahre 2000 auf 19,3 Millionen im Jahr 2018 gestiegen. Damit liegen für
etwa 59,6 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der
Wohnort und der Arbeitsort in unterschiedlichen Kommunen. Die
durchschnittliche Distanz, die täglich zum Arbeitsort zurückgelegt
werden muss, beträgt 16,9 Kilometer. Etwa 20 Prozent aller Beschäftigten
müssen mehr als 30 Kilometer zum Arbeitsort zurücklegen, knapp 11
Prozent sogar mehr als 50 Kilometer. Besonders lange Distanzen müssen
die Beschäftigten auf sich nehmen, die in dünn besiedelten Räumen leben.
Dies betrifft insbesondere den Nordosten Deutschlands, aber auch die
Regionen im weiteren Umland der großen Ballungsräume, wo es aufgrund der
geringen Konzentration der Arbeitsplätze starke Pendlerverflechtungen
mit den Ballungsräumen gibt.
Darüber hinaus zeigt der Deutschlandatlas u. a. auch die regionalen
Daten zu den Themen: Erreichbarkeiten im Öffentlichen Verkehr;
Erreichbarkeit von Zentralen Orten.
Unsere Gesundheitsversorgung und Sicherheit
Neben der hausärztlichen Versorgung ist auch die Verfügbarkeit von
Krankenhäusern der Grundversorgung entscheidend für die Daseinsvorsorge
der Bevölkerung. Etwa 78 Prozent der Bevölkerung benötigen dafür maximal
15 Minuten, 8 Prozent aber auch mehr als 20 Minuten. Insgesamt zeigt
die regionale Betrachtung ein relativ ausgewogenes Muster. Auffällig ist
das vergleichsweise engmaschige Standortnetz in Nordrhein-Westfalen.
Die beste Pkw-Erreichbarkeit weist Berlin auf (7 Minuten), schlechtere
Erreichbarkeiten zeigen sich in ländlichen Randgebieten, insbesondere in
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bayern.
Die Karte zu „Straftaten“ zeigt neben einem Nord-Süd-Gefälle auch,
dass Städte stärker von Kriminalität betroffen sind als Landkreise. So
liegt in den Städten die Anzahl an Straftaten zwischen rund 7.500 und
15.200 pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner gegenüber etwas mehr als
5.600 Straftaten im Durchschnitt über alle Landkreise und kreisfreien
Städte.
Darüber hinaus zeigt der Deutschlandatlas u. a. auch die regionalen
Daten zu den Themen: Anteil der Pflegebedürftigen in ambulanter und
stationärer Pflege, Erreichbarkeit durch Luftrettung sowie
Wohnungseinbrüche und Erreichbarkeit durch die Polizei.
* Bezeichnung korrigiert am 16.07.2020